Hier können Sie die Auswahl einschränken.
Wählen Sie einfach die verschiedenen Kriterien aus.

eNews

X





Tōhoku
Tanogashira, Utatsu, Miyagi Prefecture © Hans-Christian Schink

Hans-Christian Schink »

Tōhoku

Exhibition: – 6 Apr 2014

Sat 8 Feb 16:00

Forum für Fotografie

Schönhauser Str. 8
50968 Köln
Wed-Fri 14-18 . Sat 12-18 . Sun 12-16

Forum für Fotografie

Schönhauser Str. 8
50968 Köln

+49 (0)221-3401830


www.forum-fotografie.info

Wed-Fri 14-18 . Sat 12-18

Tōhoku
Sakamoto, Kitayamakami, Miyagi © Hans-Christian Schink

Hans-Christian Schink - Tōhoku
Vernissage: Samstag, 08.02.2014 – 16.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 09.02. – 06.04.14

Das Erdbeben vor der Sanriku-Küste der japanischen Region Tōhokus ereignete sich am 11. März 2011 um 14:46 Uhr Ortszeit. Dessen Folgen, ein Tsunami, der entlang einer 400 km langen Küstenlinie Städte und Dörfer dem Erdboden gleichmachte, sowie der Reaktorunfall von Fukushima, verursachten eine Katastrophe, die 16.000 Menschen das Leben kostete; mehrere tausend gelten noch immer als vermisst.

Ein Jahr nach danach hat der deutsche Fotograf Hans-Christian Schink als Stipendiat der Villa Kamogawa Kyoto die Gewalt der Naturkatastrophe eingefangen. In seiner Serie verbindet Schink betont stille Fotografien von Landschaften, in denen die zerstörerische Kraft der Welle mitunter nur andeutungsweise aufscheint, mit wenigen, aber umso eindrücklicheren Aufnahmen, die die zerstörerische Gewalt der Naturkatastrophe unmittelbar vor Augen führen.

Eine repräsentative Auswahl von Werken dieses beeindruckenden Fotoprojektes zeigt das Forum für Fotografie, Köln vom 09. Februar bis 06. April 2014 in Kooperation mit der Alfred Ehrhardt Stiftung Berlin, wo die Ausstellung vom 3. Mai bis 29.06.14 zu sehen sein wird.

„Eine postapokalyptische Stimmung legt sich über die malerisch verschneiten Landschaften, die die Schönheit japanischer Holzschnitte heraufbeschwören. Die Zeit steht still. Die Landschaft ist wie eingefroren. Eine dünne Schneeschicht bedeckt die Spuren der Katastrophe, die nur noch latent sichtbar sind. Blank gereinigte Ebenen, auf der sich vormals Küstenstädte erhoben, verbleiben im Moment der Erstarrung. Auch ein Jahr nach dem Tsunami wirkt die Region Tōhoku immer noch wie paralysiert.

Die abgründige Stille lässt die Katastrophe fast physisch empfinden. „Selbst bei zunächst unverdächtigen Aufnahmen spürt man intuitiv eine unterschwellige Spannung, eine Art Phantomschmerz an den Stellen, wo zuvor Menschen gelebt und ihre Häuser gestanden haben“, schreibt Denis Brudna in einer Rezension von Hans-Christian Schinks Buch Tōhoku.

Tōhoku
Itsuchi, Iwate Prefecture © Hans-Christian Schink

Das Wasser trieb Häuser, Schiffe und Fahrzeuge wie Spielzeugfiguren vor sich her und setzte sie im Landesinneren willkürlich an anderer Stelle ab. Die riesigen, vom Küstenschutz gebauten Betonstützen wurden wild durcheinander gewirbelt, als wären sie aus Styropor; ein roter buddhistischer Holztempel wirkt wie von einem Riesen aus seinem Fundament herausgelöst und, in seiner Gänze belassen, am Waldrand abgestellt; ein Bus „parkt“ auf einem Haus. Zwischen die großflächig angelegten Landschaftspanoramen eingestreut, erzeugen diese Bestandsaufnahmen der Verwüstungen eine dem distanzierten Blick nicht gegebene Unmittelbarkeit, die berührt.

In vielen seiner vorherigen Serien hat sich Hans-Christian Schink mit dem Gegensatz zwischen Natur und Kultur auseinander gesetzt, wie in "Verkehrsprojekte Deutsche Einheit", wo sich mächtige Autobahnbetonkonstruktionen bildbeherrschend über Flüsse und durch Felder einen Weg bahnen, oder wie in der Serie "LA", wo sich in den Randlagen der gigantisch ausgedehnten Stadt Los Angeles vereinsamte Asphaltwege in die Wüste hineinfressen. Der Mensch ist hier mächtiger als die Natur, sie wird zum Opfer der Zivilisation. Mit der Serie Tōhoku macht Schink eine Kehrtwende und zeigt, dass es auch andersherum sein kann. Im Vergleich zu seinen vorherigen Bildkonstruktionen, wo die Menschenleere ein Ergebnis war von Auswahl und Perspektive, wurde hier menschliches Leben von einer brachialen Naturgewalt ausgelöscht. Die Natur hat etwas genommen, was der Mensch versucht hat, sich anzueignen.

Die Unwirklichkeit und Entrücktheit, die Schinks Bilder ausstrahlen, entspricht dem tauben Gefühl des Phantomschmerzes. Aber es gibt Linderung. Bald schon entdeckt man in einigen Aufnahmen winzig kleine Menschen, wie die Surfer an einem Strand inmitten fallender Schneeflocken. So minimal die Zeichen sind, so deutlich ist deren Botschaft: Das Leben geht weiter.“
Auszug aus: Christiane Stahl: Die Wunden der Leere, in: Ausstellungsbroschüre Hans-Christian Schink - Tōhoku:

Tōhoku
Natori, Shinkitsunejima, Miyagi © Hans-Christian Schink