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Die Stadt, die es nicht gibt - Bilder globaler Räume
Kader Attia: Rochers Carrés, 2009_1, Courtesy The artist and Galerie Christian Nagel, BerlinKölnAntwerpen

Die Stadt, die es nicht gibt - Bilder globaler Räume

Kader Attia » Nadia El Fani » Annette Kelm » Aglaia Konrad » Till Krause » Michael Krumm » Armin Linke » Daniel Maier-Reimer » Paolo Pellegrin » Wilhelm Schürmann » Michael Schmidt » Maya Schweizer » Stefan Canham & Rufina Wu » Lidwien van de Ven » Clemens von Wedemeyer » Annette Wehrmann » Maja Weyermann » Tobias Zielony » David Zink Yi » & others

Exhibition: – 20 Jan 2013

Fri 21 Sep 20:00

Ludwig Forum für Internationale Kunst

Jülicher Str. 97-109
52070 Aachen

Ludwig Forum für Internationale Kunst

Jülicher Str. 97-109
52070 Aachen

0241-1807104


www.ludwigforum.de

Tue/Wed/Fri 12-18, Thu 12-20, Sat/Sun 11-18

Die Stadt, die es nicht gibt - Bilder globaler Räume
Tobias Zielony: Quartiers Nord, Malcolm, 2003. Courtesy of Tobias Zielony, KOW, Berlin

"Die Stadt, die es nicht gibt" führt den Besucher zu Orten, die Fragen nach ihrer eigenen Existenz aufwerfen. Mediale und gesellschaftliche Prozesse verändern unsere Welt und schaffen neue Räume des Dazwischen, in denen Fakten und Fiktionen verschwimmen. Vor allem Fotografen aber auch Film- und Videokünstler haben in den vergangenen Jahren das "Weltweite" thematisiert und unsere Wahrnehmung von Realität hinterfragt. Das betrifft die alltägliche Praxis des Bilderkonsums in unseren Stadträumen ebenso wie die Nachrichtenbilder, die uns aus der ganzen Welt erreichen. Wir glauben diese Orte zu kennen und sind doch immer wieder von ihrer Ferne überrascht und fasziniert.

Die 20 teilnehmenden Foto-, Film- und Videokünstler zeigen solche Schauplätze. Die imaginäre Karte der Ausstellung reicht von Kohlscheid in der Aachener Peripherie bis nach Peking, von Kairo nach Peru, und von Berlin nach Chandigarh. Neapel, Amsterdam, Fukushima, Hong Kong, Pyongyang, Marseille und Bratislava reihen sich ein. So entsteht ein Mosaik imaginärer und realer Terrains, die letztlich unsere Welt bilden und abbilden. Dabei wird deutlich, dass sich unsere Auffassung von Welt aus sehr unterschiedlichen strukturellen, sozialen, politischen und kulturellen Parametern zusammensetzt. Nie kommt sie ohne Bilder aus, die unsere intellektuelle und visuelle Neugier auf das Andere und die Menschen an anderen Orten stillt.


Kader Attia zeigt mit seiner Fotoserie "Rochers Carls" (quadratische Felsen) junge Männer, die von Nordafrika aus an einer Hafenmole am Rande des Mittelmeeres nach Norden blicken. Ob dieser Blick wirklich sehnsuchtsvoll nach Europa gerichtet ist, erahnt man nur, denn die Gesichter der Protagonisten bleiben verborgen. Dennoch stellt sich im Kontext der Betrachtung von Europa aus sofort dieser Eindruck ein, der natürlich von der täglichen Berichterstattung z.B. über in Italien strandende Flüchtlingsschiffe geprägt ist. Aber was bedeutet dieser Eindruck? Könnte er, anstatt angstvoll zu sein, für uns nicht genauso mit Hoffnungen belegt werden? Und welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die jüngsten Ereignisse in der arabischen Welt? Könnte es sein, dass sich dieser Blick demnächst umkehrt und auf uns selbst richtet?

Armin Linke reist um die Welt, um Räume der Globalisierung in Filmen oder Fotografien festzuhalten. Seinen ganz eigenen, betont sachlichen Stil treibt er in den insgesamt elf ausgestellten Fotografien aus Nordkorea auf die Spitze: Linke fotografiert die Lebensräume der kommunistischen Diktatur geradezu provozierend unaufgeregt. In seinen technisch perfekten Aufnahmen porträtiert er etwa die Hauptstadt Pjöngjang genau als das utopische Modell, als das es die Machthaber sehen wollen. Dabei entlarvt die glatte Aufbereitung – wie in einer Architekturstudie –, wie fern diese Räume von den Bedürfnissen der Menschen bleiben. Und Linke gelingt es damit auch, den Betrachter bei seinen eigenen Klischees und Vorurteilen zu packen. Das hintergründige Porträt des abgeschotteten Nordkorea reiht sich ein in einen bildlichen Weltatlas.

Maya Schweizer und Clemens von Wedemeyer verbinden in ihrer Installation "Metropolit. Report from China" zwei Mythen: Fritz Langs Film "Metropolit" aus dem Jahr 1926 und das moderne China. Wie in Langs Stummfilm charakterisieren die Berliner Künstler die Unmenschlichkeit eines totalitären Systems – China, dessen Größe und Wachstum den Westen zugleich beängstigen und faszinieren. Fotografien, Dias, Filmsequenzen, Poster und Videos verdichten sich zu einer raumgreifenden Installation, dabei werden Referenzen zur sozialkritischen Thematik und den architektonischen Schauplätzen der historischen Vorlage hergestellt. Die Installation befragt auch den Idealismus des Künstlers Lang, der über die Einflussnahme auf die Bildwelten, insbesondere im Film, politische Entwicklungen skizziert und beeinflusst, gleichzeitig aber auch stilbildend für architektonische Entwicklungen wird. In der Auseinandersetzung mit dem legendären Film "Metropolit" der 1920er Jahre bieten Wedemeyer und Schweizer dem Betrachter eine kritische Perspektive, um sich ein eigenes Bild von den realen Lebensbedingungen eines Teils der Bevölkerung im heutigen China zu machen.

Tobias Zielony verfolgt in seinen beiden Serien "Le Vele di Scampia" und "Quartiers Nord" die Lebenswege von jungen Migranten in Neapel und Marseille, deren Familien oft schon seit mehreren Generationen in Europa leben. Der Alltag der Jugendlichen in den Banlieues und Sozialwohnungssiedlungen der großen europäischen Städte sind oft geprägt von eigenartigen Widersprüchen zwischen architektonischen und sozialen Strukturen. Als zukunftsweisende Wohnmodelle in den 1960er Jahren konzipiert, behindern diese Utopien der Baumeister heute die Entstehung bzw. Aufrechterhaltung kultureller und sozialer Beziehungen. Sie liegen weit außerhalb, bilden in ihrem gewollten Abstand zu den Innenstädten eine Bannmeile, die eine automatische Stigmatisierung bedeutet. In ihrem architektonischen Inneren sind sie anonym und abweisend. Zielony folgt den Jugendlichen, deren Vertrauen er gewinnt und deren unsicheres Leben er dokumentiert, schwankend zwischen Kriminalität und Prostitution, Hoffnung und Untergang.

Weitere Künstler der Ausstellung: Stefan Canham/Rufina Wu, Nadia El Fani, Annette Kelm, Aglaia Konrad, Till Krause, Michael Krumm, Armin Linke, Daniel Maier-Reimer, Paolo Pellegrin, Michael Schmidt, Wilhelm Schürmann, Lidwien van de Ven, Annette Wehrmann, Maja Weyermann, David Zink Yi

Kuratorin: Dr. Brigitte Franzen; Kuratorische Assistenz: Esther Boehle

Die Stadt, die es nicht gibt - Bilder globaler Räume
Armin Linke, Kwangbok Street Pyongyang North Korea, 2005
Courtesy Galerie Klosterfelde
Die Stadt, die es nicht gibt - Bilder globaler Räume
Maya Schweizer/Clemens von Wedemeyer: Metropolis, Report from China, 2004-2011, copyright Maya Schweizer