Hier können Sie die Auswahl einschränken.
Wählen Sie einfach die verschiedenen Kriterien aus.

eNews

X





Theatrum Familiæ
© Katharina Mayer, Familie Purdy

Katharina Mayer »

Theatrum Familiæ

Exhibition: – 4 Feb 2012

Thu 17 Nov 19:00

Galerie Bernd A. Lausberg

Hohenzollernstr. 30
40211 Düsseldorf

+49 (0)211-15866183


www.galerie-lausberg.com

Tue-Fri 13-18

Theatrum Familiæ
© Katharina Mayer, Alex and his friends

Galerie Bernd A. Lausberg Düsseldorf und Lausberg Contemporary Toronto präsentieren Katharina Mayer 'Theatrum Familiæ'

In unseren Düsseldorfer Räumen eröffnen wir am Donnerstag, den 17. November 2011 von 19 bis 21 Uhr die Ausstellung 'Theatrum Familiæ' der Becher-Schülerin Katharina Mayer. Die Einführung hält Dr. Christoph Schreier, stellvertretender Direktor des Kunstmuseum Bonn.

'Theatrum Familiæ' ist eine Gemeinschaftsproduktion der Künstlerin mit unseren Galerien in Düsseldorf und Toronto und wird anlässlich des weltgrößten Fotografiefestivals CONTACT im Mai 2012 von Lausberg Contemporary in Toronto weitergeführt. In diesem Zusammenhang wird auch Mayers Kurzfilm ‚Heiliges Land betreten‘ beim Jewish Film Festival Toronto ein weiteres Forum finden.

An dem faszinierenden Projekt 'familia', der künstlerischen Dokumentation der Institution Familie, arbeitet die Künstlerin seit zwölf Jahren. Was lokal begann, hat sich zu einem weltweiten Projekt entwickelt, das erstmals in dieser verdichteten Form unter dem Titel 'Theatrum Familiæ' ausgestellt wird. Ausgehend vom Gruppenbild gelangt Katharina Mayer zum Familienporträt, ohne den Einzelnen aus dem Blick zu verlieren – das traditionelle Familienporträt bekommt ein neues Gesicht. Besonders spannend ist für Katharina Mayer das Experimentieren auf der Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem.

Die Ausstellung wird in Düsseldorf bis zum 4. Februar 2012 zu sehen sein.
Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 13-18 Uhr u.n.V.
Die Künstlerin ist am 17. November anwesend.

Info: Katharina Mayer
Katharina Mayer wurde 1958 geboren, hat ihre Magisterarbeit in Kunstgeschichte über den Fotografen Man Ray geschrieben und danach an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd Becher und Nan Hoover Freie Kunst mit dem Schwerpunkt Fotografie studiert. Seit 1992 lehrt sie an verschiedenen Institutionen. 2010 hatte sie eine Gastprofessur für Fotografie an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien inne. Sie ist Mitinitiatorin des ‚onomato künstlerverein e.V.‘ Düsseldorf und Mitbegründerin der Alma Mater-Jahresklassen an der Schule für künstlerische Fotografie, Düsseldorf. Katharina Mayer lebt und arbeitet in Düsseldorf. Ihre Arbeiten sind in renommierten Kunstsammlungen vertreten.

Theatrum familiæ
Es ist wohl eines der ältesten erhaltenen Familienbildnisse, das sich Archäologen im sachsen-anhaltinischen Eulau darbot, als sie ein Grab aus der Jungsteinzeit öffneten. Eng aneinander geschmiegt lagen Vater, Mutter und zwei Söhne zur letzten Ruhe gebettet. Üblicherweise liegen die Frauen mit dem Kopf nach Osten im Grab, Männer mit dem Kopf nach Westen, beider Geschlechter schauen dabei nach Süden. Nicht so in Eulau, wo die Söhne ihren Eltern in die Augen schauen. Offensichtlich wurde den Familienbanden hier eine höhere Bedeutung zugewiesen als den religiösen Regeln, eine Tatsache, die die Archäologen erstaunt und den heutigen Betrachter anrührt. Denn das hier vermittelte Urbild von Familie, bildet eine ideale Projektionsfläche für uns alle, die wir aus Familien stammen, gleichwohl um die Gefährdung dieses sozialen Archetyps wissen.
Auch wenn die Familie nach wie vor die weltweit am stärksten verbreitete Lebensform von Menschen darstellt und die Sehnsucht, Teil einer Familie zu sein, nach wie vor stark ist , dann steht andererseits doch außer Frage, dass der aus Vater, Mutter und ein, zwei Kindern gebildete, westliche Typus von Klein- oder Kernfamilie in die Krise geraten ist. Er hat Konkurrenz erhalten durch Patchwork- oder Regenbogenfamilien, ist, so gesehen, Opfer einer Pluralisierung der Lebensformen, die in allen westlichen Ländern festgestellt werden kann.
Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, gestaltet sich das Familienbild jedenfalls vielschichtiger, wofür Katharina Mayers eindrucksvolle Familienfotos einen anschaulichen Beleg bieten.
Ihre Kamera dient nicht als voyeuristisches Hilfsmittel, sie ist vielmehr jenes magische und verzaubernde Auge, auf das sich alle Blicke richten. Entsprechend wissen alle Porträtierten, dass sie gerade fotografiert werden und dass diese Aufnahme nur das motivische Arrangement fixiert, um das sich Katharina Mayer vorher intensiv bemüht hat. Katharina Mayer ist die Regisseurin unter den Fotokünstlerinnen, deren Bildwelten nicht Vorgefundenes wiedergeben, sondern das Produkt eines langen Vorbereitungs- und Gestaltungsprozesses darstellen. Er beginnt mit der Kontaktaufnahme mit den Porträtierten, mit Gesprächen und Beobachtungen, deren Erkenntnisse in die Motivgestaltung einfließen. Dann wird das Setting für die Personen festgelegt, in dessen Rahmen sie schließlich platziert werden. Die Aufnahme selbst ratifiziert dann nur noch das szenische Arrangement, das, wie gesagt, einzig und allein Katharina Mayer, der Regisseurin dieser Familienaufstellungen, zuzuschreiben ist. Ihre Fotos rekurrieren in diesem Sinne auf keine vorgegebene, prästabilierte Ordnung, sie inszenieren vielmehr ein theatrum familiæ, das sich im Mit-, Zu- und Gegeneinander der Personen stets von neuem definiert.
Dr. Christoph Schreier, Kunstmuseum Bonn

familia
Bühne der Erinnerung und Hoffnung

Fotografie ist für mich wie Sprache ein wunderbares Medium. Denn hier ist es möglich, Literatur einzubeziehen, Reproduziertes zu verwerten, Gesammeltes zu montieren, Visionen umzusetzen. Die Biografie eines Menschen und das daraus entstehende Portrait haben mich schon immer fasziniert.
Familia ist ein Projekt, an dem ich seit 12 Jahren arbeite. Ausgehend vom Gruppenbild, der Anordnung mehrerer Menschen auf einem Bild, gelangte ich zum Familienportrait, ohne dass ich den Einzelnen aus dem Blick verlieren wollte. Das traditionelle Familienportrait, bracht mich auch zum Freundschaftsbild. Denn aus jeder Konstellation entwickelt sich eine Interaktion. Oder besser: Eine Geschichte. So ist jedes Bild ein Ausschnitt einer ganz persönlichen biografischen Geschichte, die ich manchmal darstelle und manchmal breche, in dem ich mit Minimalinszenierungen eingreife. Besonders die Brüche ergeben Irritationen, die wir alle kennen. Denn wir alle kämpfen damit, dass sich verinnerlichte Ideale und Wünsche an der Unvollkommenheit des realen Lebens reiben. Manche Menschen gehen daran zugrunde, andere arbeiten ihr Leben daran, dieser Reibung stand zu halten. Besonders spannend ist das Experimentieren auf der Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem. Denn ich spüre, dass dort, im Raum der Familie, immer etwas passiert. Es geht eben nicht nur um Repräsentation in einem formalen Sinn. Ethische und moralische Werte fließen mit ein, auch religiöse Zugehörigkeit und daraus sich ergebende Rituale. Auch Fragen der Gemeinsamkeit, Konfliktfähigkeit, Verantwortung, Liebe und Toleranz werden über die Familie vermittelt. Familie ist in Bewegung. Über Generationen hinweg wird eine Familiengeschichte getragen, die manchmal zelebriert wird, manchmal nur zu erahnen ist und manchmal auch bewusst abgeschnitten wurde. Ob Chaos oder Ordnung, jeder Ort ist ein gestalteter Lebensraum, an dem ich konfrontiert bin mit Hierarchien, Geschlechteranordnungen, Projektionen, Wünschen und Hoffnungen.
Jede Familie ist für mich eine neue Herausforderung. Und meine Erfahrung ist es, dass wir alle nicht nur an der realen Welt arbeiten, sondern auch an dem Bild, was wir nach außen verkörpern. Ist das nicht ein wunderbares Omen für die Kunst schlechthin?
Als Künstlerin womöglich ein winziges Mosaiksteinchen für das Weltbild abzuliefern, wie schön! Und wenn der famililäre Raum dann nicht nur als weltweite Bühne der Erinnerung stehen könnte, sondern auch für die Zukunft, dann bestünde sogar Hoffnung auf Dauer.
Katharina Mayer 2011

Theatrum Familiæ
© Katharina Mayer, Dennerlein
Theatrum Familiæ
© Katharina Mayer, brothers in arms
Theatrum Familiæ
© Katharina Mayer, Gastmahl