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Fotografien 1930-1970
Lee Miller
Floating head (Mary Taylor), New York Studio, New York, USA, 1933
© Lee Miller Archives, England 2006. Alle Rechte vorbehalten.

Lee Miller »

Fotografien 1930-1970

Exhibition: – 4 Feb 2007

Kunstmuseum Wolfsburg

Hollerplatz 1
38440 Wolfsburg

+49 (0)5361-26690


www.kunstmuseum-wolfsburg.de

Tue-Sun 11-18

Das Kunstmuseum Wolfsburg hat in den zwölf Jahren seines Bestehens immer wieder das Medium Fotografie in Einzelausstellungen von Künstlern gewürdigt. So waren im Museum die Ausstellungen Richard Avedon: In The American West, Brassaï: Das Auge von Paris, sowie Fotografien von Man Ray, Pietro Donzelli, Ed van der Elsken und im letzten Jahr eine Ausstellung der Porträts von Cecil Beaton zu sehen. Lee Miller (1907-1977) zählt zu den bedeutendsten und anerkanntesten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. In Poughkeepsie, New York State, geboren, begann sie im Alter von 18 Jahren in Paris ein Bühnenbild- und Kostümstudium, welches sie allerdings nicht abschloss. Im Alter von 20 Jahren, kurz nach ihrer Rückkehr in die USA, in New York zufällig "entdeckt", machte sie zunächst eine glamouröse Karriere als Fotomodell, die durch einen kleinen Skandal jäh beendet wurde. Da das passive Modelldasein sie ohnehin gelangweilt hatte, siedelte sie wieder nach Paris über, um selbst Fotografin zu werden. Sie wurde Schülerin, Geliebte und Muse von Man Ray und schuf, durch ihn beeinflusst, surrealistische Fotografien und arbeitete als selbstständige Modefotografin unter anderem für die Häuser von Chanel und Schiaparelli. 1932 kehrte Lee Miller nach New York zurück und eröffnete ein eigenes Studio. 1934 heiratete sie den ägyptischen Industriellen Aziz Eloui Bey und siedelte nach Kairo über. In den folgenden Jahren entstanden kaum Porträtaufnahmen, und sie erkundete stattdessen die ägyptische Wüste. 1937 reiste sie nach Paris und nahm dort wieder Kontakt mit ihren Künstlerfreunden Pablo Picasso, Max Ernst, Paul Eluard, Jean Cocteau und Man Ray auf und lernte ihren zukünftigen zweiten Ehemann Roland Penrose kennen, den englischen Maler, Sammler und Fürsprecher des Surrealismus. Im Jahr 1940 wurde Lee Miller freie Mitarbeiterin der Britischen VOGUE und erhielt zunächst Aufträge für Mode- und Porträtaufnahmen. Mit der Fortdauer des Krieges begann sie die Auswirkungen des Blitzkrieges auf die Einwohner Londons zu dokumentieren. Dies leitete eine von größerem moralischem Engagement getragene Werkphase ein. Die amerikanische Armee akkreditierte Miller 1942 offiziell als Kriegsberichterstatterin und so reiste sie zunächst durch Großbritannien und fotografierte Frauen, die in der militärischen und zivilen Kriegswirtschaft tätig waren. Im Juli 1944 flog sie in die Normandie und hielt den verlustreichen Vormarsch der Truppen durch Frankreich und Deutschland fest. Ihre Bilder wurden jeden Monat in der VOGUE veröffentlicht, begleitet von Millers unsentimentalen Kommentaren, die weniger auf die militärischen Ereignisse als auf die menschlichen Schicksale vor Ort Bezug nahmen. Die schöne Frau, die in Hitlers Wanne badete: Das berühmteste Bild, das der Nachwelt von der amerikanischen Fotografin im Gedächtnis blieb, wurde bezeichnenderweise nicht von ihr selbst, sondern von ihrem Kollegen David E. Scherman aufgenommen. Auch der Kollege badete dann kurz nach ihr, was Miller wiederum festhielt. Beide Fotos werden erstmals gemeinsam in einer Ausstellung präsentiert werden und belegen Millers Interesse an inszenierter Fotografie. Im Mai 1945 kamen Miller und Scherman mit den amerikanischen Truppen ins besiegte München, wo sie nicht nur über den Vormarsch der Allierten berichteten, sondern auch die unvorstellbaren Gräuel der nationalsozialistischen Vernichtungslager dokumentierten. Millers Aufnahmen aus Dachau und Buchenwald erschienen zuerst in der amerikanischen Modezeitschrift VOGUE, wo die erschütternden Bilder der nationalsozialistischen Tötungsmaschine und ihrer Opfer im verstörenden Kontrast zu den Fotostrecken neuester Damenmode standen. Die Kombination von Fashion und Faschismus hielten viele für mehr als unangemessen, und Kritiker der Fotografin, deren Karriere in den 20er-Jahren selbst als Modell für VOGUE begonnen hatte, werfen Miller bis heute vor, mit ihren Aufnahmen den Schrecken des Holocaust eine ästhetische Dimension verliehen zu haben. Das besondere Gespür der Fotografin für die erschreckend absurden, fast surrealistischen Aspekte von Gewalt und Zerstörung kann sicherlich auf ihre eigenen Erfahrungen mit dem französischen Surrealismus im Paris der 30er-Jahre zurückgeführt werden. Millers Freundschaft mit Künstlern wie Pablo Picasso, Georges Braque, Max Ernst und vor allem Man Ray hatte nicht nur großen Einfluss auf ihr eigenes Werk, sondern fand auch in zahlreichen eindrucksvollen Porträts ihren Niederschlag, die in der Ausstellung noch durch Millers Aufnahmen von Filmstars wie Marlene Dietrich und Fred Astaire oder Schrifstellern wie Colette und Dylan Thomas ergänzt werden. Nach dem Ende des Krieges berichtete Miller noch bis Anfang 1946 von dessen fatalen Nachwirkungen und kehrte dann zu Roland Penrose nach London zurück. 1949 ließen sie sich in Südengland nieder. Ihr Haus, die Farley Farm, wurde für die folgenden Jahrzehnte ein Treffpunkt für Künstler, Literaten und Schauspieler. Gelegentlich nahm Miller noch Aufträge für VOGUE an, entfernte sich jedoch mehr und mehr von der Fotografie und entwickelte große Leidenschaft für die Kochkunst. 1977 starb sie an Krebs. Die Ausstellung in Wolfsburg umfasst ca. 170 Aufnahmen aus vier Jahrzehnten von Millers Tätigkeit, darunter wohlbekannte Werke, aber auch nie zuvor gezeigte Arbeiten. Die Ausstellung setzt mit den Aufnahmen ein, die in den 20er-Jahren von Lee Miller von ihrem Vater und von den wichtigsten Modefotografen der Zeit gemacht wurden. Es werden Aufnahmen von Edward Steichen, George Hoyningen-Huene, Man Ray und auch von Lee Millers Vater Theodore vertreten sein. Richtungsweisende Porträts von Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts werden Seite an Seite mit den eher düsteren Arbeiten aus ihrer Zeit als Kriegsfotografin gezeigt. Zu diesem Zwecke hat das Kunstmuseum Wolfsburg zusätzliche Recherchen in den Lee Miller Archives getrieben und ist auf selten oder nie gezeigte Bilder gestoßen, die die brisante Polarität von "Schönheit und Schrecken" vertiefen. Diese Ausstellung wurde organisiert vom Kunstmuseum Wolfsburg aufbauend auf einer ursprünglich von der National Portrait Gallery und den Lee Miller Archives konzipierten Ausstellung. © Lee Miller Archives, England 2006. Alle Rechte vorbehalten. www.leemiller.co.uk Die Publikation Lee Miller: Begegnungen von Richard Calvocoressi, scheidender Direktor der Scottish National Gallery of Modern Art in Edinburgh und Autor mehrerer Bücher über Künstler des 20. Jahrhunderts, enthält zahlreiche Abbildungen und begleitet die Ausstellung. Die Publikation hat ca. 180 Seiten, ist im Nicolai Verlag erschienen und kostet € 14,90.

Fotografien 1930-1970
Lee Miller
Marlene Dietrich, einen Mantel von Schiaparelli tragend, Paris, Frankreich, 1944
© Lee Miller Archives, England 2006. Alle Rechte vorbehalten.
Fotografien 1930-1970
Lee Miller
Selbstporträt, New York Studio, New York, USA, 1932
© Lee Miller Archives, England 2006. Alle Rechte vorbehalten.
Fotografien 1930-1970
David E. Scherman
Lee Miller in Hitlers Badewanne, Hitlers Wohnung, München, 1945
© Lee Miller Archives, England 2006. Alle Rechte vorbehalten.