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Fotografie
Arno Fischer | New York 1978

Arno Fischer »

Fotografie

Exhibition: – 2 Jul 2006

Städtische Galerie Sonneberg

Juttastr. 29
96515 Sonneberg

03675-808133


www.sonneberg.de/kultur/galerie/galerie.htm

Tue-Sun 14-17

Das auf ihn einst verwandte Diktum, der bekannteste unter den unbekannten Fotografen Deutschlands zu sein, mag mit der Verleihung des Dr.-Erich-Salomon-Preises der Deutschen Gesellschaft für Photographie an Arno Fischer im Jahr 2000 hinfällig geworden sein, endgültig jedoch im Jahr darauf mit der Veröffentlichung von »Situation Berlin. Fotografien 1953 bis 1960«. Mit jener aus Einzelbildern sich fügenden Folge, deren ursprünglich geplantes Erscheinen im Jahr des Mauerbaus verhindert worden war, dokumentiert Arno Fischer in dichten, subjektiven Bildern die Befindlichkeit der Menschen in der geteilten Stadt. Ein feines Gespür für Umstände und Zeit, ein während des vorausgegangenen Bildhauerstudiums geschultes Gefühl für Haltung und Geste, Körper und Raum liegen diesen Fotografien zugrunde. Perfekt die Balance des Augenblicks auslotend, geraten sie zu existentiellen Zeichen, die über die politische Interpretation hinaus Grunderfahrungen des Menschen spiegeln.

»Kein Regisseur wäre je in der Lage, sich eine solche Konstellation auszudenken«, so Arno Fischer selbst über eine seiner Fotografien. Weder geplant noch inszeniert, hat er sie im wörtlichen Sinne gefunden. Das »Sehen und Finden« ist es, was für Arno Fischer den Fotografen ausmacht. Es bleibt sein Prinzip für alle folgenden Projekte: für seine Maßstäbe setzenden Arbeiten für die Zeitschrift »Sibylle« ebenso wie für die fotopublizistischen Folgen für Städtebildbände, dezidiert für den zuletzt, 1988, in einem DDR-Verlag mit einem Text von Heiner Müller erschienenen Band »New York. Ansichten«. Entstanden während zweier New-York-Aufenthalte zeigen sich diese Fotografien als feinsinnige Beobachtungen von Menschen, deren Agieren und Verharren im urbanen Raum. Arno Fischer sucht sie an den Rändern städtischen Geschehens, und er rückt ihnen nahe: Gesichter und Haltungen zwischen Neugierde und Angst, Erwartung und Resignation. Vor der bühnenhaften Kulisse machtgebietender Architektur entsteht ein Spannungsverhältnis, das dem paradoxen Lebensgefühl dieser Stadt entspricht und auf die Kluft zwischen Individuum und Gesellschaft verweist, auf das Zurückgeworfensein des Einzelnen auf sich selbst.

Die Verdichtung realer Situationen zu Bildern, die für den Betrachter existentielle Dimension erlangen, ist Arno Fischer in seinen besten Fotografien gelungen. Zwei unter ihnen umspannen sein Werk: Müritz 1956; New York 1978 (Staten Island Ferry). Nicht von Ungefähr sind sie in ihren Motiven einander verwandt: Vor weitem Horizont zeigen sie Gruppierungen von Menschen, die — jeder für sich allein — den Blick in die Ferne richten, selbstversunken, Ausschau haltend, gleichsam fragend nach dem Woher und Wohin. Sinnbilder, die in ihrer Zeitlosigkeit zu den bleibenden Werken der Fotografie des 20. Jahrhunderts zu rechnen sind.

Die Städtische Galerie Sonneberg zeigt die bislang umfangreichste Ausstellung zum Werk Arno Fischers. Die Auswahl umfasst 97 Arbeiten aus dem Zeitraum von 1947 bis 1989. Neben Fotografien aus dem Projekt »Situation Berlin« stehen Arno Fischers New-York-Fotografien (1978 und 1984) im Zentrum der Ausstellung. Publikation: Arno Fischer | New York Fotografien 1978/1984 Mit Texten von Heiner Müller und Jutta Voigt 56 S.; 33 Abb; (Duplex); 10,- Euro

Fotografie
Arno Fischer | New York 1978
Fotografie
Arno Fischer | New York 1984
Fotografie
Arno Fischer | Berlin 1958