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Toutes les directions
© Jens Semjan
Diamotion "Hollywood, Texas"

Jens Semjan »

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Exhibition: – 15 Jul 2006

traversée Zeitgenössische Kunst

Theresienstraße 56 b
80333 München

Galerie Traversée

Theresienstraße 56 b
80333 München

089-18006663


www.traversee.com

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Die Galerie Traversée versteht es als Teil ihres Konzeptes, herausragende junge Positionen durch die Integration in den Umkreis international arrivierter Künstlern einem breiten Publikum nahe zu bringen. Insofern freuen wir uns, Sie und Ihre Freunde zur Einzelausstellung "Toutes Les Directions " von Jens Semjan einzuladen. Jens Semjans Fotoarbeiten, Videos und Installationen reflektieren mit Scharfsinn und stilistischer Prägnanz unsere durch visuelle Massenmedien getränkte Gegenwart. Semjan befragt ihre Aussagen und ihre Glaubwürdigkeit. Ohne anklagenden Ton und ohne unsere Erwartungen an ästhetische Grundsätze zu enttäuschen, doch mit starkem gesellschaftspolitischem Bewusstsein und humanistischem Ideal lässt er durch oftmals leise und poetische Interventionen ganze Bildinhalte kippen. Abgesehen von einer romantischen Ästhetik, offenbart der Künstler Paradoxien zwischen Wertesystem und Medienwelt. Semjan führt den Betrachter aufs Glatteis. Dort tanzt er mit ihm Tango zwischen den existierenden Vorstellungen von Original, Fälschung und Plagiat und schwingt in abrupter Drehung zurück zur Realität. Dokumentarisches verliert den Authentizitätsanspruch, denn die Fiktion scheint wahrscheinlicher. Ein medialer Irrgarten entsteht, in dem Semjan virtuos mit der zwar dehnbaren, aber dennoch fragilen Grenzlinie zwischen Dichtung und Wahrheit spielt. Dabei dokumentiert, fälscht und manipuliert er in derart brillanter Form, dass der Betrachter letztlich überwältigt kapituliert und seine Bewertungsmuster einer Überprüfung unterziehen muss. Im Diamotion "Hollywood, Texas" führt uns Semjan in die Sierra Nevada der iberischen Halbinsel. Sergio Leone ließ hier eine Filmkulisse u.a. für den wohl bekanntesten Western der Filmgeschichte "Spiel mir das Lied vom Tod" errichten, in letztlich bezeichnender Weise, um die Illusion einer spezifischen Landschaft in Arizona hervorzurufen. Ein Fund für Jens Semjan, der nicht nur mit den Konnotationen um die Beziehung zwischen Amerika und Europa kokettiert, sondern auch mit den Themen Plagiat und Original, sowie den visuellen Mitteln Film und Fotografie. So vereint er eine Filmsequenz mit ihrem Ursprung, einem Foto, in einem Leuchtkasten, indem er in die beleuchtete, großformatige Fläche des Fotos eine Videominiatur integriert. Dort spielen sich Szenen ab, die man etwa in dem Film über den harten amerikanischen Traum vom Westen erwarten könnte, doch handelt es sich um Ausschnitte aus der heute in den spanischen Filmkulissen stattfindenden Westernshow, eine Touristenattraktion, die sich der Prominenz des Kultfilms und seines italienischen Filmregisseurs bedient und die Kassen klingeln lässt. Neben Fotoarbeiten zu urbanen Szenen mit teils eingeschmuggelten Architekturteilen, zeigt Semjan fiktive ästhetifizierte Terrorbilder wie etwa "l’incendie sur Napoléon", eine idyllische Ansicht der menschlichen Katastrophe als auf dem französischen Luxus-Fährschiff eine Bombe hochgeht. In der Fototapete "A.R.S." macht der Künstler eine Bautafel in einer spanischen Stadtkulisse zum Screen für seinen Videofilm mit dem Titel "Amerikanische Schießgesellschaft". Die Videoprojektion zeigt Teile eines amerikanischen Waffen-Werbevideos. Dort preisen hochgetunte Badenixen die Fähigkeiten und Längen von Maschinenpistolen an, die –so wird berichtet- unter anderem die CIA-Männer unter ihren Mänteln tragen würden. Semjans ehemaliger Lehrer, der Konzeptkünstler Joseph Kosuth, charakterisiert die künstlerische Herangehensweise seines Schülers als "ästhetische Überdehnung" gesellschaftspolitischer Themen in Form von "hyperrealistischer Darstellung". Mit Humor entlarvt Semjan einen Zynismus in der Medienwelt, der zivilisatorische Werte zweifelhafter Art offenbart und begrüßenswerte hemmungslos mit Füßen tritt. Semjans Arbeiten lassen sich zudem als zeitgemäßer Umgang mit einem elementaren menschlichen Bedürfnis, dem Schaffen von ‚Bauwerken’ ansehen und sie vermitteln eine großen Respekt vor den Schönheiten der Natur. Die Brechung dieser Schönheit in den Arbeiten von Jens Semjan wird manchmal erst auf den zweiten Blick bewusst und zeugt von einem subtilen und reflektierten Einsatz der künstlerischen Mittel. Die für die Räume der Galerie Traversée konzipierte Ausstellung läuft bis zum 15. Juli. Text: Julia Lachenmann

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© Jens Semjan
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