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ohne Titel, 2002 (Baustelle) Lambdaprint, Diasec, 123 x 211 cm

Lukas Roth »

Exhibition: – 11 May 2005

Galerie Martin Kudlek

Schaafenstr. 25
50676 Köln

+49 (0)221-729667


www.kudlek.com

Tue-Fri 12-18, Sat 11-16

Auf den ersten Blick fällt bei der Konfrontation mit den fotografischen Bildern von Lukas Roth die Vielfalt der Sujets ins Auge: Die Bilder folgen keiner einheitlichen Motivik. Urbane Szenen – isolierte Architekturen oder ganze Straßenzüge – werden ebenso thematisiert wie Landschaften, in denen Menschen agieren, die aber auch völlig leer sein können. Nicht die objektive Dokumentation eines Gegenstands oder einer Situation im Sinne einer "industriellen Archäologie" steht hier im Mittelpunkt des bildnerischen Interesses. Im Gegenteil: Statt zu dokumentieren scheinen die Fotografien eher etwas zu verbergen, statt objektive Aufklärung über das Abgelichtete zu vermitteln, ergeben sich Fragen an das Bild. Dieses sich gleichwohl nur subliminal mitteilende Informationsdefizit wirkt spannend und beunruhigend zugleich. Auf der fotografischen Oberfläche selbst ist auf den ersten Blick meist nichts Ungewöhnliches zu entdecken, und so ist der Betrachter gezwungen, sich auf eine Reise in das Bild, auf die Suche nach der Quelle der "Beunruhigung" zu begeben. Jedoch: Auch das Studium der Details vermag die Fragen nicht zu beantworten. Selbst wenn die eine oder andere Manipulation aufgespürt wird und die Bilder sich ein wenig zu öffnen scheinen, so schweigen sie sich doch beharrlich über die dem Betrachter verborgene Seite aus. Dies verwundert nicht, haben sie doch nicht das Geringste zu verbergen. Sie zeigen, was sie sind, und sind, was sie zeigen: Sie entstammen einer alltäglich erfahrbaren Realität, die durch das fotografische Auge des Künstlers gefiltert ist. Denn was uns Lukas Roth in jeder seiner Fotografien zeigt, ist die meisterhaft ausgeführte Abbildung seiner Sichtweise auf das dargestellte Motiv. Die akribische, in ihrem Ausmaß sehr unterschiedliche Nachbearbeitung der Bilder ist nie Selbstzweck, sondern bleibt immer nur ein Mittel der "Korrektur", wenn die Objektivität des Objektivs die subjektive, beabsichtigte Projektion des Bildes nicht zulässt. Das fertige Werk entspricht (im besten Fall) exakt dem Bild, das der Künstler vor seinem inneren Auge sah, als er es mit der Kamera einfing. An diesem Punkt nähert man sich schließlich auch dem eigentlichen Grund der Beunruhigung, die die Betrachtung der Bilder zu erzeugen vermag. Hier wird auf subtile Weise mit den Sehgewohnheiten des Betrachters gebrochen, indem eben nicht der bildnerische Konsens dessen gesucht wird, was als unheimlich oder beunruhigend gelten könnte, sondern die größtmögliche Differenz dazu gefunden wird: konsequente, vollkommene Subjektivität. Diese Bilder verweigern sich der perspektivischen Vereinnahmung durch den Betrachter, da sie Abbilder von bereits betrachteten Bildern sind, durch subjektive Wahrnehmungsprozesse gefiltert und wieder zurückgeworfen. Dies schafft einen jeweils spezifischen, geradezu physisch spürbaren hermetischen Kosmos, der in den Betrachter hineinprojiziert wird, ohne dass dieser die ursprüngliche Perspektive des strukturierenden Betrachters, also des Künstlers, einnehmen kann. Auf diese Weise wird das Scheitern des Blickes in das Zentrum (das "Geheimnis") eines Bildes von Lukas Roth zur spürbaren Erfahrung des Nicht überwinden-Könnens des Blinden Flecks und somit zum Gewinn, ist es doch gerade die Unmöglichkeit des Erkennens, die eine fortdauernde Reflexion der eigenen Tiefen im Betrachter auslösen kann. Thomas Donga-Durach When confronted with Lukas Roth's photography one is immediately struck by its variety of subject, because the work doesn't follow a single unified theme. The photos present urban scenes, isolated architecture and housing blocks as well as landscapes. People move about within these spaces but they could just as well be empty. It isn't the objective documentation of an object or a situation that is the focus of interest here in the sense of an 'industrial archaeology', but rather the opposite. The pictures seem to be covering things up instead of documenting or objectively clarifying anything, the images thus give rise to questions. The effect of this albeit subliminal lack of information is at once exciting and unsettling. The surface of the photographs appear at first to have nothing unusual about them, thus the viewer is forced to embark on a journey into the images, to search for the source of this uneasiness. The study of details however fails to provide answers to such questions. Even when traces of manipulation are discovered here and there and the image seems to open up, the pictures remain steadfastly silent about that which they are hiding beyond the sight of the viewer. This isn't really surprising because they aren't hiding anything. They show what they are and they are whatthey show, filtered through the artist's eye, the images come from the reality of daily experience. What Lukas Roth shows us in every photograph is a masterfully executed image of his vision of the subject of his gaze. Varying degrees of meticulous reworking within the picture are never an end in themselves, instead they are simply a means of 'correction' when the objectivity of the lens doesn't allow for the subjective, intended projection of the image. In a best case scenario the finished product corresponds exactlywith the image that the artist had in his mind's eye as he took the picture with his camera. Here one finally comes closer to the source of the uneasiness which these pictures evoke. By choosing not to look for the sum of visual consensus for that which is unsettling or eerie and instead searching for the greatest possible distance to it through absolute subjectivity, a subtle breakwith the viewer's conventional habits of seeing takes place. These pictures refuse to be taken in by the perspective of the viewer, they themselves areonly reflections of pictures already seen, filtered through a process of subjective perception and then thrown back. This creates in each piece a specific, almost physical and hermetic cosmos which is projected 'into' the viewer, without he or she having the ability to occupy the perspective of the 'composing' viewer, namely the artist. In this way the 'failure of the gaze' is at the centre of Lukas Roth's work, making perceptible the experience of not being able to overcome the 'blind spot'. The experience of this failure is in the end a profitable one, for the impossibility of recognition touches off a continuous reflection of one's own depths as a viewer. Thomas Donga-Durach

© Lukas Roth
ohne Titel, 2002 (Bürohaus) Lamdaprint, Diasec, 123 x 171 cm
© Lukas Roth